Das Münchner Zentrum ist kein Geheimtipp, im Gegenteil: Hierher fährt halb Bayern, wenn es etwas zu sehen geben soll. Der Stadtbezirk 1 aus Altstadt und Lehel ist der historische und geografische Mittelpunkt der Stadt, vom Marienplatz bis an die Isar, vom Hofgarten bis zum Sendlinger Tor.
Trotzdem lohnt der zweite Blick. Zwischen den großen Wahrzeichen liegen stille Höfe, Barockkleinode und ein Stück Englischer Garten, das viele Tagesbesucher übersehen. Dreizehn Orte, die zeigen, warum dieser Bezirk das Herz Münchens ist.
- 1. Marienplatz und Neues Rathaus
- 2. Frauenkirche
- 3. Viktualienmarkt
- 4. Münchner Residenz und Hofgarten
- 5. Theatinerkirche und Odeonsplatz
- 6. Asamkirche
- 7. Maximilianstraße
- 8. Nationaltheater und Max-Joseph-Platz
- 9. Lehel und St. Anna
- 10. Englischer Garten am Eisbach
- 11. Haus der Kunst
- 12. Alter Hof und Alter Peter
- 13. Münchner Stadtmuseum und St.-Jakobs-Platz
- Ausblick: Was als nächstes für Besucher entsteht
1. Marienplatz und Neues Rathaus
- Adresse: Marienplatz 8, 80331 München
- Eintritt: Platz frei, Rathausturm ca. 6,50 Euro
- Geeignet für: alle, Familien, Erstbesucher
- Verkehr: U-Bahn und S-Bahn Marienplatz direkt darunter
Der Marienplatz ist der Mittelpunkt Münchens, im wörtlichen Sinn: Von hier aus werden traditionell die Entfernungen gemessen. In der Mitte steht die Mariensäule von 1638, errichtet zum Dank für das Überstehen der schwedischen Besatzung im Dreißigjährigen Krieg.
Das Neue Rathaus mit seiner neugotischen Fassade beherrscht den Platz. Sein berühmtes Glockenspiel im Turm setzt sich täglich um 11 und 12 Uhr (im Sommer zusätzlich um 17 Uhr) in Bewegung, 32 lebensgroße Figuren erzählen vom Schäfflertanz und einem höfischen Ritterturnier. Mit dem Aufzug geht es hinauf zur Turmgalerie, von der aus du über die Dächer der Altstadt bis zu den Alpen blickst.
2. Frauenkirche
- Adresse: Frauenplatz 12, 80331 München
- Eintritt: Kirche frei, Südturm ca. 7,50 Euro
- Geeignet für: alle, Architekturfreunde, Aussichtssuchende
- Verkehr: U-Bahn und S-Bahn Marienplatz, wenige Schritte
Der Dom zu Unserer Lieben Frau ist das eigentliche Wahrzeichen Münchens. Zwischen 1468 und 1488 wurde der mächtige spätgotische Backsteinbau errichtet, die beiden Türme mit ihren grünen Welschen Hauben kamen erst 1525 hinzu und gelten seither als Silhouette der Stadt.
Eine Münchner Satzung verbietet bis heute, dass Hochhäuser im Stadtkern die Türme überragen, das schützt die berühmte Ansicht. Im Inneren findest du den sagenumwobenen Teufelstritt, einen dunklen Fußabdruck im Eingangsbereich. Der Südturm ist 98,57 Meter hoch, eine Aussichtsplattform belohnt den Aufstieg mit Blick über Marienplatz, Alten Peter und bei klarem Wetter bis zu den Alpen.
3. Viktualienmarkt
- Adresse: Viktualienmarkt 3, 80331 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Genießer, Bummler, Mittagspausen
- Saison: Mo bis Sa, Biergarten im Sommer
Aus dem ehemaligen Bauernmarkt vor dem Alten Peter ist über 200 Jahre der wohl bekannteste Lebensmittelmarkt Süddeutschlands geworden. Auf rund 22.000 Quadratmetern reihen sich Stände mit bayerischen Spezialitäten, exotischen Früchten, Käse, Fisch und Blumen aneinander.
In der Mitte steht der Maibaum, drumherum der Biergarten, der nach altem Münchner Brauch im Wechsel von den verschiedenen Brauereien bewirtet wird. Wer früh kommt, erlebt den Markt von seiner ruhigeren Seite, mittags wird es voll und lebendig. Ein paar Schritte weiter führt der Weg zum guten Kaffee in der Altstadt.
4. Münchner Residenz und Hofgarten
- Adresse: Residenzstraße 1, 80333 München
- Eintritt: Residenzmuseum ca. 10 Euro, Hofgarten frei
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Spaziergänger
- Verkehr: U-Bahn Odeonsplatz (U3, U4, U5, U6)
Die Residenz war über vier Jahrhunderte Sitz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige und gehört zu den bedeutendsten Schlossanlagen Europas. Über zehn Höfe und rund 130 Räume reicht der Komplex, vom prunkvollen Antiquarium über die Reiche Zimmer bis zur Schatzkammer mit Kronen und Insignien der Wittelsbacher.
Direkt nebenan liegt der Hofgarten, ein streng geometrisch angelegter Renaissancegarten aus dem 17. Jahrhundert. In seiner Mitte steht der Dianatempel, ringsum Arkaden und kiesbestreute Wege. An lauen Abenden tanzen hier Tangopaare unter dem Pavillon, ein ruhiger Gegenpol zum Trubel der Innenstadt.
5. Theatinerkirche und Odeonsplatz
- Adresse: Salvatorplatz 2A, 80333 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Architekturfreunde, Fotografen
- Verkehr: U-Bahn Odeonsplatz
Die leuchtend gelbe Theatinerkirche St. Kajetan prägt den Odeonsplatz wie kaum ein anderes Gebäude. Ab 1663 als Dank für die Geburt des Thronfolgers errichtet, gilt sie als erstes großes Barockbauwerk Münchens und brachte den italienischen Hochbarock nach Bayern. Die zwei Türme und die mächtige Kuppel sind weithin sichtbar.
Der Odeonsplatz selbst öffnet sich nach Süden mit der Feldherrnhalle, einem Bau nach dem Vorbild der Loggia dei Lanzi in Florenz. Von hier zieht sich die Ludwigstraße schnurgerade nach Norden, eine der großen Prachtstraßen, die König Ludwig I. anlegen ließ.
6. Asamkirche
- Adresse: Sendlinger Straße 32, 80331 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Barockliebhaber, ruhige Momente
- Verkehr: U-Bahn Sendlinger Tor (U1, U2, U3, U6, U7, U8)
Zwischen den Geschäften der Sendlinger Straße versteckt sich eines der eindrucksvollsten Barockwerke Deutschlands. Die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam errichteten St. Johann Nepomuk zwischen 1733 und 1746 als private Kirche, gleich neben ihrem Wohnhaus.
Die Fassade ist nur rund acht Meter breit, doch wer eintritt, steht in einem Rausch aus Gold, Stuck und gemaltem Himmel. Durch verborgene Fenster fällt das Licht so geschickt ein, dass der schmale Raum geheimnisvoll wirkt. Die Asamkirche zeigt den Barock auf engstem Raum in seiner überschwänglichsten Form.
7. Maximilianstraße
- Adresse: Maximilianstraße, 80539 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Flaneure, Architekturfreunde, Schaufensterbummler
- Verkehr: Tram 19, U-Bahn Marienplatz oder Lehel
König Maximilian II. ließ ab 1853 eine Prachtstraße anlegen, die vom Max-Joseph-Platz an der Oper bis hinüber zur Isar und zum Maximilianeum führt, dem heutigen Sitz des Bayerischen Landtags. Der eigene Baustil, der hier entstand, wird bis heute als Maximilianstil bezeichnet.
Heute ist die Maximilianstraße Münchens teuerste Adresse, gesäumt von Luxusboutiquen, dem Hotel Vier Jahreszeiten und dem Münchner Kammerspiele-Schauspielhaus mit seinem Jugendstilinterieur. Die Allee aus Bäumen und die repräsentativen Fassaden machen schon den Spaziergang zum Erlebnis.
8. Nationaltheater und Max-Joseph-Platz
- Adresse: Max-Joseph-Platz 2, 80539 München
- Eintritt: Platz frei, Vorstellungen je nach Programm
- Geeignet für: Opern- und Ballettfreunde, Architekturfans
- Verkehr: U-Bahn Marienplatz oder Odeonsplatz
Am Max-Joseph-Platz erhebt sich das Nationaltheater mit seinem klassizistischen Säulenportikus, Heimat der Bayerischen Staatsoper und des Bayerischen Staatsballetts. Das Haus zählt zu den führenden Opernbühnen der Welt, hier wurden mehrere Opern Richard Wagners uraufgeführt.
Zweimal brannte das Theater nach seiner Eröffnung 1818 nieder und wurde jeweils originalgetreu wieder aufgebaut, zuletzt nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. In der Platzmitte steht das Denkmal für König Max I. Joseph, im Sommer überträgt die Oper hier manche Vorstellung kostenlos auf eine Großleinwand.
9. Lehel und St. Anna
- Adresse: St.-Anna-Platz, 80538 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Stadtteilentdecker, ruhige Spaziergänge
- Verkehr: U-Bahn Lehel (U4, U5)
Das Lehel ist das älteste Vorstadtviertel Münchens und bildet mit der Altstadt zusammen den Stadtbezirk 1. Zwischen Isar und Innenstadt liegt ein Wohnquartier mit gepflegten Gründerzeitfassaden, kleinen Geschäften und einer entspannten Eleganz, die viele Touristen nie zu sehen bekommen.
Am St.-Anna-Platz stehen gleich zwei bemerkenswerte Kirchen: die barocke Klosterkirche St. Anna, der erste Rokokokirchenbau Altbayerns, und ihr gegenüber die mächtige neuromanische Pfarrkirche aus dem späten 19. Jahrhundert. Wer das echte München abseits der Postkartenmotive sucht, findet es in den Vierteln rund um das Lehel.
10. Englischer Garten am Eisbach
- Adresse: Prinzregentenstraße, 80538 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Spaziergänger, Surffans, Sonnenanbeter
- Verkehr: U-Bahn Lehel oder Odeonsplatz
Der Englische Garten ist mit rund 375 Hektar einer der größten innerstädtischen Parks der Welt und größer als der Central Park in New York. Sein südliches Ende reicht bis ins Lehel und an die Prinzregentenstraße, hier beginnt für viele Münchner der Weg ins Grüne.
Direkt am Rand, neben dem Haus der Kunst, liegt die berühmte Eisbachwelle. Auf der stehenden Welle des kanalisierten Eisbachs surfen das ganze Jahr über Wellenreiter aus aller Welt, oft umringt von Schaulustigen auf der Brücke. Ein paar Schritte weiter laden Liegewiesen und der Biergarten am Chinesischen Turm zum Verweilen ein.
11. Haus der Kunst
- Adresse: Prinzregentenstraße 1, 80538 München
- Eintritt: wechselnd, ca. 10 bis 14 Euro je Ausstellung
- Geeignet für: Freunde zeitgenössischer Kunst
- Verkehr: U-Bahn Lehel oder Odeonsplatz
Der lange, von Säulen gegliederte Bau am Eingang zum Englischen Garten wurde 1937 von den Nationalsozialisten als Propagandabau eröffnet und ist damit ein bewusst nicht verdrängtes Denkmal der NS-Architektur. Das Haus stellt sich seiner Geschichte offen und vermittelt sie in eigenen Formaten.
Heute zählt das Haus der Kunst zu den international wichtigsten Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst. Es zeigt keine eigene Sammlung, sondern wechselnde Schauen zu Gegenwartskunst und großen Künstlern der Moderne. Die lichten Säle eignen sich besonders für raumgreifende Installationen.
12. Alter Hof und Alter Peter
- Adresse: Alter Hof 1 und Rindermarkt 1, 80331 München
- Eintritt: Höfe frei, Turm Alter Peter ca. 5 Euro
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Aussichtssuchende
- Verkehr: U-Bahn und S-Bahn Marienplatz
Der Alte Hof war die erste Residenz der Wittelsbacher in München und damit die Wiege der späteren Herrschaft. Der idyllische Innenhof mit dem markanten Erkerturm, dem Affenturm, liegt versteckt nur wenige Schritte vom Marienplatz und wirkt wie aus einer anderen Zeit.
Gleich daneben steht der Alte Peter, offiziell die Pfarrkirche St. Peter, die älteste Pfarrkirche der Stadt. Wer die 299 Stufen seines Turms erklimmt, wird mit dem schönsten Blick auf die Altstadt belohnt, direkt auf das Neue Rathaus und die Frauenkirche.
13. Münchner Stadtmuseum und St.-Jakobs-Platz
- Adresse: St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
- Eintritt: wechselnd (Sanierung beachten)
- Geeignet für: Stadtgeschichtsinteressierte, Familien
- Verkehr: U-Bahn Sendlinger Tor oder Marienplatz
Der St.-Jakobs-Platz ist einer der ruhigeren Plätze der Altstadt und zugleich ein Ort der Vielfalt. Hier stehen die Ohel-Jakob-Synagoge mit ihrem strengen Steinkubus und das Jüdische Museum München, errichtet im neuen Jüdischen Zentrum, das 2006 eröffnet wurde.
Am selben Platz liegt das Münchner Stadtmuseum im historischen Zeughaus, das die Geschichte der Stadt von den Anfängen bis heute erzählt. Wegen einer Generalsanierung ist das Haus in den kommenden Jahren nur eingeschränkt zugänglich, eine Interimsausstellung im Zeughaus hält das Thema lebendig. Plane deinen Besuch deshalb mit Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten.
- Hofbräuhaus-Umgebung am Platzl: abseits der Touristenströme das stille Gässchengeflecht rund um den Alten Hof
- Praterinsel: ruhige Isarinsel zwischen Lehel und Altstadt mit altem Brennereigebäude
- Frauenkirche im Winter: Christkindlmarkt am Marienplatz und Glühwein im Schatten der Türme
Ausblick: Was als nächstes für Besucher entsteht
Das Münchner Zentrum bleibt in Bewegung. Das Münchner Stadtmuseum wird grundlegend saniert und soll in den 2030er Jahren neu eröffnen, bis dahin überbrückt eine Interimsausstellung die Zeit. Auch die Fußgängerzonen und Plätze der Altstadt werden Schritt für Schritt umgestaltet, mit mehr Grün und mehr Raum zum Verweilen.
Das Zentrum ist kein Ort, an dem man eine Liste abarbeitet. Es ist ein Ort, an dem man sich treiben lässt, durch einen Innenhof stolpert, eine Kirche betritt und überrascht ist, wie viel Ruhe mitten in der vollsten Stadt Bayerns möglich ist. Wer mehr über Land und Leute wissen will, findet bei den Einwohnerzahlen des Bezirks den passenden Hintergrund.