Wer durch die Münchner Innenstadt läuft, kennt das Bild: dichtes Gedränge auf dem Marienplatz, Taschendiebe in der Fußgängerzone, gelegentlich Schlagzeilen über Schlägereien rund um die Feiermeile am Wochenende. Doch wie sieht das Lagebild aus, wenn man die offiziellen Zahlen statt der Schlagzeilen liest?
Wir haben die Statistik Straftaten in den Stadtbezirken 2025 des Statistischen Amts München[2] und den Sicherheitsreport 2025 des Polizeipräsidiums München[1] ausgewertet und zeigen, wie viele Straftaten im Stadtbezirk Altstadt-Lehel registriert werden, wie München im Vergleich der deutschen Großstädte dasteht und warum die reine Zahl je 100.000 Einwohner in der Innenstadt mit Vorsicht zu lesen ist. Mehr zur Lage der Bezirksteile findest du in unserem Überblick über die Stadtteile.
- Wie viele Straftaten gab es 2025 in Altstadt-Lehel?
- München im Vergleich: die sicherste deutsche Großstadt
- Die häufigsten Delikte in Altstadt-Lehel
- In welchen Münchner Stadtbezirken werden die meisten Straftaten registriert?
- Kriminalität im Zeitverlauf
- Wer sind die Tatverdächtigen in München?
- Häufige Fragen zur Kriminalität in München-Zentrum
- Quellen
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Altstadt-Lehel?
Im Jahr 2025 hat die Polizei im Stadtbezirk 1 Altstadt-Lehel insgesamt 6.863 Straftaten[2] erfasst, die sich diesem Bezirk räumlich zuordnen ließen. Damit liegt Altstadt-Lehel bei der absoluten Fallzahl auf Platz zwei aller 25 Münchner Stadtbezirke, hinter Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (9.852 Fälle) und noch vor Schwabing-Freimann (6.012 Fälle).
Rechnet man diese 6.863 Fälle auf die rund 20.606 gemeldeten Einwohner um, ergibt sich eine Häufigkeitszahl von etwa 33.300 Straftaten je 100.000 Einwohner. Dieser Wert ist allerdings stark verzerrt und sollte nicht als Maß für die Sicherheit der Anwohner gelesen werden.
Warum die Quote pro 100.000 Einwohner hier so hoch wirkt
Altstadt-Lehel hat zum Jahresende 2025 nur rund 20.606 gemeldete Einwohner[5], gleichzeitig drängen sich täglich Hunderttausende Touristen, Pendler und Einkaufsbummler durch Marienplatz, Kaufingerstraße und das Tal. Die Polizei ordnet eine Straftat dem Ort zu, an dem sie passiert, nicht dem Wohnort des Opfers oder Täters. Eine rechnerische Quote von rund 33.300 Straftaten je 100.000 Einwohner sagt deshalb vor allem etwas über die enorme Tagesfrequenz der Innenstadt aus, nicht darüber, wie gefährlich das Leben für die hier wohnenden Menschen tatsächlich ist.
München im Vergleich: die sicherste deutsche Großstadt
Für das gesamte Stadtgebiet München lag die Häufigkeitszahl 2025 bei 5.798 Straftaten je 100.000 Einwohner[1] und damit um 2,7 Prozent unter dem Vorjahreswert (5.957). Im Vergleich der großen deutschen Städte belegt München damit seit Jahren den Spitzenplatz als sicherste Großstadt mit mehr als 200.000 Einwohnern.
| Stadt | Straftaten je 100.000 Einwohner (2025) |
|---|---|
| München | 5.798 |
| Frankfurt am Main | 12.248* |
| Köln | 12.387 |
| Hamburg | 10.567 |
| Berlin | 13.233 |
*Für Frankfurt war die Häufigkeitszahl 2025 bei Redaktionsschluss des Sicherheitsreports noch nicht veröffentlicht, Wert bezieht sich auf 2024.
München liegt mit 5.798 Straftaten je 100.000 Einwohner damit nur etwa halb so hoch wie Frankfurt (12.248) oder Köln (12.387) und deutlich unter Berlin (13.233). Diese Werte gelten jeweils für die ganze Stadt, nicht für einzelne Viertel.
Die häufigsten Delikte in Altstadt-Lehel
Wie in fast jeder Innenstadt dominiert auch in Altstadt-Lehel der Diebstahl. Allein einfacher und schwerer Diebstahl machen mit zusammen 2.747 Fällen rund 40 Prozent aller registrierten Straftaten im Bezirk aus. Die Verteilung nach den Obergruppen der Polizeilichen Kriminalstatistik im Überblick:[2]
| Deliktgruppe | Fälle 2024 |
|---|---|
| Diebstahl insgesamt (einfacher und schwerer) | 2.747 |
| Einfacher Diebstahl | 2.209 |
| Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit | 1.273 |
| Vermögens- und Fälschungsdelikte | 964 |
| Schwerer Diebstahl | 538 |
| Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung | 145 |
| Straftaten gegen das Leben | 1 |
Was hinter den Zahlen steckt:
- Diebstahl prägt das Bild. Die Fußgängerzone zwischen Stachus und Marienplatz, die Kaufhäuser und die ständig gefüllten Plätze machen Altstadt-Lehel zum Brennpunkt für Taschen- und Ladendiebstahl. Stadtweit ist der einfache und schwere Diebstahl 2025 dagegen zurückgegangen, um 7,8 Prozent bzw. 2.665 Fälle, unter anderem beim Diebstahl aus Kraftfahrzeugen, Taschendiebstahl und Ladendiebstahl.[1]
- Rohheitsdelikte an zweiter Stelle. Unter diese Gruppe fallen Raub, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung. Mit 1.273 Fällen ist sie die zweitgrößte im Bezirk und hängt mit der Dichte an Lokalen, Bars und nächtlichem Publikumsverkehr zusammen.
- Schwerste Gewalt bleibt selten, aber nicht null. Im Stadtbezirk Altstadt-Lehel wurde 2025 eine Straftat gegen das Leben registriert. Stadtweit zählte die Polizei 45 vollendete und versuchte Mord- und Totschlagsdelikte, nach dem historischen Tiefstand von 26 Fällen im Vorjahr 2024.[3]
- Sexualdelikte mit eigener Dynamik. Die 145 erfassten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung umfassen auch Fälle sexueller Belästigung, die im dichten Gedränge der Innenstadt häufiger zur Anzeige kommen als andernorts.
In welchen Münchner Stadtbezirken werden die meisten Straftaten registriert?
München ist in 25 Stadtbezirke unterteilt. Das Statistische Amt weist die absolute Fallzahl für jeden dieser Bezirke einzeln aus.[2] Wichtig: Die Tabelle zeigt absolute Fälle, keine Werte je Einwohner. Die zentralen Innenstadtbezirke führen die Liste vor allem deshalb an, weil sich hier der gesamte städtische und touristische Publikumsverkehr bündelt.
Hinweis zur Datenebene
Stadtbezirksgenaue Zahlen gibt es nur für die absolute Fallzahl, die das Statistische Amt München auf Basis der Daten des Polizeipräsidiums München veröffentlicht.[2] Werte wie die Aufklärungsquote oder die Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit weist die Polizei nur für das gesamte Stadtgebiet beziehungsweise den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums aus, nicht für einzelne Stadtbezirke. Wo wir solche Zahlen nennen, kennzeichnen wir das ausdrücklich als Stadt- oder Präsidiumsebene.
| Rang | Stadtbezirk | Straftaten insgesamt 2025 |
|---|---|---|
| 1 | Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt | 9.852 |
| 2 | Altstadt-Lehel | 6.863 |
| 3 | Schwabing-Freimann | 6.012 |
| 4 | Ramersdorf-Perlach | 4.863 |
| 5 | Maxvorstadt | 4.454 |
| 6 | Neuhausen-Nymphenburg | 3.496 |
| 7 | Milbertshofen-Am Hart | 3.254 |
Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt führt das Ranking mit 9.852 Fällen an. In diesem Bezirk liegen der Hauptbahnhof, das Bahnhofsviertel und die Theresienwiese mit dem Oktoberfest, alles Orte mit extrem hoher Frequenz. Altstadt-Lehel folgt auf Platz zwei mit 6.863 Fällen, getrieben fast ausschließlich durch die Tagesfrequenz rund um Marienplatz und Fußgängerzone. Schwabing-Freimann liegt mit 6.012 Fällen auf Platz drei, hier sorgen Ausgehviertel und Verkehrsknoten für hohe Zahlen.
Am unteren Ende der Skala stehen ruhige Außenbezirke wie Allach-Untermenzing (938 Fälle) oder Hadern (1.357 Fälle), in denen kaum überregionaler Publikumsverkehr stattfindet. Wie sich die Wohnlagen und Preise zwischen Zentrum und Rand unterscheiden, zeigen wir im Münchner Mietspiegel.
Kriminalität im Zeitverlauf
Eine durchgängige Zeitreihe auf Stadtbezirksebene veröffentlicht die Stadt nicht, die Bezirkstabelle ist eine Momentaufnahme für das Jahr 2025. Für das gesamte Stadtgebiet lässt sich die Entwicklung dagegen gut nachzeichnen. Gemessen an der Häufigkeitszahl ist München über zehn Jahre sicherer geworden: 2015 lag der Wert noch bei 6.465 Straftaten je 100.000 Einwohner, 2025 nur noch bei 5.798.[1]
Straftaten je 100.000 Einwohner im gesamten Stadtgebiet München (Stadtebene, nicht Stadtbezirk). Quelle: Sicherheitsreport 2025, Polizeipräsidium München.
Der Rückgang ist umso bemerkenswerter, als die Bevölkerung im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München in den vergangenen zehn Jahren um rund 3,2 Prozent auf rund 1,86 Millionen Menschen gewachsen ist.[1] Pro Kopf wird in München also heute seltener eine Straftat registriert als vor knapp zehn Jahren. Wie stark die Stadt insgesamt wächst, zeigt unsere Übersicht zu den Einwohnerzahlen.
Der Rückgang der Gesamtzahl 2025 (ohne ausländerrechtliche Verstoße: 98.478 Fälle im Präsidiumsbereich, minus 1,8 Prozent) geht vor allem auf rückläufige Rauschgiftdelikte zurück (minus 1.925 Fälle bzw. 31,9 Prozent, weiter bedingt durch das Cannabisgesetz seit April 2024) sowie auf weniger Diebstahlsdelikte (minus 2.665 Fälle bzw. 7,8 Prozent). Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung legten dagegen zu.[1]
Wer sind die Tatverdächtigen in München?
Wichtig zur Lesart der Tatverdächtigen-Zahlen
Die folgenden Anteile gelten für den gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München (rund 1,88 Millionen Einwohner, also deutlich mehr als die Stadt selbst), nicht für Altstadt-Lehel. Sie lassen sich nicht auf den einzelnen Stadtbezirk übertragen.
2025 hat das Polizeipräsidium München 45.926 Tatverdächtige ermittelt (ohne ausländerrechtliche Verstoße), das sind 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr.[1] Rund drei Viertel der Tatverdächtigen waren männlich, ein in allen Kriminalstatistiken wiederkehrendes Muster.
| Tatverdächtige 2025 (ohne ausländerrechtliche Verstöße) | Anzahl | Anteil | Vorjahr 2024 |
|---|---|---|---|
| Tatverdächtige insgesamt | 45.926 | 100,0 % | 44.080 |
| Männlich | 34.276 | 74,6 % | 33.040 |
| Deutsche | 22.433 | 48,8 % | 22.001 |
| Nichtdeutsche | 23.493 | 51,2 % | 22.079 |
| darunter Zuwanderer | 4.728 | 10,3 % | 3.926 |
Auffällig ist, dass der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2025 weiter auf 51,2 Prozent stieg, gegenüber 50,1 Prozent im Vorjahr.[1] Diese Zahl braucht aber Einordnung, sonst wird sie leicht falsch verstanden.
Wichtige Einschränkungen bei der Lesart
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen. Bis zu einem Urteil gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.[4]
- Touristen und Reisende sind enthalten. Wer als Tourist beim Ladendiebstahl in der Innenstadt erwischt wird, taucht in der Münchner Statistik als nichtdeutscher Tatverdächtiger auf, auch wenn er in Mailand, Wien oder Zürich wohnt. Gerade in einer Tourismus- und Messestadt wie München fällt dieser Effekt ins Gewicht.
- "Nichtdeutsch" meint die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Ein in München geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn seine Familie eingewandert ist.
- Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten belastete Gruppe. Da die nichtdeutsche Wohnbevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist als die deutsche, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Anteile.
- Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Die Anzeigequote schwankt je nach Delikt und Umfeld und beeinflusst, welche Fälle überhaupt in die Statistik gelangen.
Häufige Fragen zur Kriminalität in München-Zentrum
Wie viele Straftaten gibt es in Altstadt-Lehel?
2025 hat die Polizei 6.863 Straftaten erfasst, die sich dem Stadtbezirk 1 Altstadt-Lehel zuordnen ließen. Damit liegt der Bezirk bei der absoluten Fallzahl auf Platz zwei aller 25 Münchner Stadtbezirke.
Ist die Innenstadt wirklich so gefährlich wie die Quote pro Einwohner suggeriert?
Nein. Die rechnerische Quote von rund 33.300 Straftaten je 100.000 Einwohner entsteht, weil Altstadt-Lehel nur etwa 20.606 Einwohner hat, aber täglich von Hunderttausenden Besuchern frequentiert wird. Die Straftaten werden dem Tatort zugeordnet, nicht den Anwohnern. Für die tatsächliche Sicherheit der Bewohner ist der Wert daher wenig aussagekräftig.
Wie sicher ist München im Vergleich zu anderen Großstädten?
Mit 5.798 Straftaten je 100.000 Einwohner ist München 2025 zum 50. Mal in Folge die sicherste deutsche Großstadt mit mehr als 200.000 Einwohnern. Köln (12.387), Frankfurt (12.248, Wert 2024) und Hamburg (10.567) liegen jeweils etwa doppelt so hoch, Berlin (13.233) sogar mehr als doppelt so hoch.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote in München?
Eine stadtbezirksgenaue Aufklärungsquote wird nicht veröffentlicht. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München lag sie 2025 bei 62,9 Prozent, nach 60,3 Prozent im Vorjahr.[1]
Wie hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger?
Im gesamten Präsidiumsbereich lag er 2025 bei 51,2 Prozent (Vorjahr 50,1 Prozent) und damit das zweite Jahr in Folge über der 50-Prozent-Marke. Der Wert gilt nicht für Altstadt-Lehel allein und enthält auch Touristen und Reisende, die in München nur kurz zu Besuch sind. Die Statistik erfasst zudem nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund.
Hat die Kriminalität in München zugenommen?
Gemessen an der Häufigkeitszahl ist München über zehn Jahre sicherer geworden: von 6.465 Straftaten je 100.000 Einwohner im Jahr 2015 auf 5.798 im Jahr 2025. Das ist umso bemerkenswerter, als die Bevölkerung im selben Zeitraum um rund 3,2 Prozent gewachsen ist.